!! [ent]SORGEN: müll als forschungswerkzeug im designprozess

!! Müll ist ökologisch betrachtet eines der dringlichsten Probleme, die der Mensch auf der Erde verursacht hat. Auch wenn im Moment das Urban Mining, also die Nutzung der im Müll gespeicherten Rohstoffe, als ökologischer Fortschritt gefeiert wird, ist dies keine Lösung für das Problem der wachsenden Abfallberge, die die deutschen Haushalte erzeugen. Nicht biologischer Müll ist eine Belastung für die Umwelt, denn er wird größtenteils unter Schadstoffausstößen und Schlackeresten verbrannt bzw. thermisch verwertet, wie man in Deutschland dazu sagt.
Das leichtfertige Wegwerfen fördert die übermäßige Neu-Produktion, also die Extraktion frischer Rohstoffe. Insgesamt lag das Abfallaufkommen aus Haushalten im Jahr 2009 in Deutschland bei 522 kg / Ew. Die aktuelle Verwertungsquote des Gesamtaufkommens von 77 Prozent ermutigt zum Sammeln und Sortieren, also zur kontrollierten und gesteuerten Erzeugung von Müll. Das Entsorgen, vor allem das recyclingfähige Wegwerfen, kommt einem Ende aller Sorgen über die Dinge gleich. Diese kulturelle Praktik, die in den letzten fünfzig Jahren zur vollen Blüte gereift ist, hat gewissermaßen die traditionelle Aufgabe des Designers, Problemstellungen des Alltags qualifiziert und ästhetisch zu lösen, ersetzt.
Daher möchte ich den Designer von Produkten wieder zurück in die Verantwortung holen um das Anwachsen der Müllberge in Zukunft zu mindern. Die Ausgangsfrage für das Forschungsvorhaben lautet: Wird die Kündigung der Partnerschaft zwischen gestaltetem Objekt und Mensch vom Designer provoziert, ignoriert oder akzeptiert? Dabei soll die Rolle des Designers in der Erzeugung von Müll kritisch untersucht werden, um Müll als problematischen Störfaktor für Umwelt und Natur in den Designprozess von Produkten in Zukunft stärker mit einzubeziehen. Um Abfall schon vor dem Entstehen zu vermeiden soll als Zielstellung die theoretische Handhabe von Müll als Werkzeug gelten. Ähnlich wie auf dem Forschungsfeld der Garbologie sollen Erkenntnisse aus dem Wegwerfverhalten und der Müllkultur des modernen Menschen genutzt werden um Designaktivitäten und Designtheorien zu erweitern. Dieses Werkzeug soll vor allem in der Ausbildung von Designern praktische Bedeutung und Anwendung finden. Denn dies ist die geeignete Stelle um Produkte nach ökologischen Kriterien bewerten zu lassen und dabei nachhaltigen Einfluss auf die Haltung des Designers zu nehmen.

Um das Phänomen Müll für die Designpraxis nutzbar zu machen interessiert das Verhältnis zwischen Objekt und Mensch. Dazu müssen Fragen geklärt werden wie: Wann und wie wird dieses Verhältnis beendet? Wie beiläufig ist das Entsorgen Teil unserer Alltagskultur geworden? Wie wird derzeit entsorgt? Ist es ein bewusster oder unbewusster Vorgang?

Forschung durch Design soll auch in diesem Vorhaben wissenschaftlich abgesichert werden. Dies wird über das Konzept der „Grounded Theory“ geschehen, also der Theorieentwicklung, die Praxisveränderung in Kauf nimmt, sowie durch „Action Research“, also der Praxisveränderung, die Theorieveränderungen registriert und prozessiert. Vor allem letzterer Ansatz akzeptiert und fordert die Involviertheit des Forschers und die daraus entstehenden empirischen Daten und schlussfolgernden Theorien. Da sich dieses Projekt an der Schnittstelle zu den Künsten sieht, werden praktische Versuche und Experimente sowie Interventionen und Verhaltensbeobachtungen zu den vorrangigen Forschungsmethoden gehören. Die Rückkopplung dieser Ergebnisse in Form von Interviews mit Umweltexperten, gemeinsam mit der Auswertung empirischer Daten, rundet das praktische Vorgehen wissenschaftlich ab. Auf der Objektebene scheint es sinnvoll vor allem durch die Studie von Produkten sowie durch die Manipulation und Veränderung von Produkten deren Müllcharakter theoretisch zu gründen (Design-based research in natürlicher Umgebung also einem sogenannten „real-life-setting“).

!! artikel !! article „design vs. evil“

artikel über die übermacht des müll und die letzte rettung durch die super power design.

erschienen auf der online plattform designkritik

article on the superiority of trash and our only lifesaver design.

published at the online platform designkritik.