studiofroh kuratiert curates

 

!! installation atmosphäredrei ... wo was wächst.

!! eine projektidee von a project idea by studiofroh & claudia olendrowicz
mit arbeiten von with works by kristian ritzmann, susanne hausstein, claudia olendrowicz &
cecilia divizia texte von texts by claudia orlendrowicz

Wenn ich den See durch das geschlossene Fenster meines Büros betrachte, ist er Gegenstand meines kontemplierenden Auges. Wenn ich das Fenster öffne, haben Gehör und Geruchssinn Gelegenheit, den Blick nach draußen wahrnehmend zu begleiten. Wenn ich die Augen schließe, kann sich meine Aufmerksamkeit allein von ihnen leiten lassen. Wenn ich mein Zimmer verlasse und mich hinunter zum See begebe, steht die Landschaft der unbeteiligten Aufnahme durch die Summe meiner Sinne offen. Mein empfindender Leib wird zum Subjekt der kontemplativen Erfahrung des aus See, Licht, Luft, Geräusch, Kiesel, Insel, Siedlung, Schiffsverkehr, Markierungen, Abfall, Badenden, Uferweg und Horizontstreifen gebildeten Raums. Die auf isolierte Sinne (des Auges, der Hand) beschränkbare Dingwahrnehmung erweitert sich zur synästhetischen Wahrnehmung der Momentaneität eines Raums. Der Sinn für die phänomenale Schönheit der Dinge verwandelt sich in das erhabene Bewusstsein einer Welt ohne Sinn.
Martin Seel, Eine Ästhetik der Natur. Suhrkamp Taschenbuch Wissenschaft 1996

Kristian Ritzmann und Susanne Hausstein ließen ein Weizenfeld entstehen, das von einem Ventilator bewegt wird. Über eine Leiter gelangt man in das Terrain, das einer Situation, die man aus eigenen Naturerfahrungen kennt, entlehnt ist. Der Zwischenboden, der als Ort der Installation dient, ist konzeptuelle Basis des Projekts – ein Möglichkeitsraum. Er entstand durch das Abhängen. Er kreiert somit eine Nische, einen nicht benutzen Teil des Ausstellungsraumes. Physisch präsent verhält sich diese Nische vielleicht wie zu einem Gedanken, der da ist aber noch nicht ausgesprochen wurde.

… es soll nichts gezeigt werden, die Arbeiten knüpfen an diese Logik an, sie entwickeln eine Verbindung, die gedanklich besteht – die man sich vorstellen könnte. Die Basis wurde von Kristian Ritzmann und Susanne Hausstein entwickelt, von dieser sind die zwei weiteren Interventionen ausgegangen. Es entsteht ein gegenseitiges Vertrauen im Prozess der Arbeit selbst, das finale Ergebnis steht nicht im Vordergrund, es könnte sich theoretisch unendlich ausbreiten und eine mögliche Entwicklung ankündigen, die Ausstellung ist nie vorbei.

Es kommt eine Frage auf: brauchen diese gedachten Räume einen physisch existierenden Raum?

Claudia Olendrowicz arbeitet mit dem Plan, der von Kristian Ritzmann erstellt wurde um seine Installation zu skizzieren. Die Skizze entsteht vor der Ausführung, sie ist ein Entwurf, der sich im Prozess der Bearbeitung befindet. Zusammen mit der ausgeführten Installation im Raum entsteht ein Konzept der Unmittelbarkeit – das vorherig Geplante wurde eingefordert. Claudia Olendrowicz interessiert der Aspekt der Skizzenhaftigkeit, der Unfertigkeit und möglichen Weiterinterpretation, deshalb hat sie eine spezielle Präsentationsform dieser Skizze entworfen. Einige ausgedruckte Seiten werden auf einem Stapel präsentiert, hochkant, seitwärts, immer abwechselnd. Diese Anordnung soll auf die Möglichkeit von Versionen derselben Information hindeuten, es kommt immer darauf an, mit welcher Perspektive man sich einer Thematik nähert. Verschiedene Interpretationsräume von Informationen entstehen, auch im Hinblick auf die Weizeninstallation.

Cecilia Divizia schleust eine Farbe in die Pflanzen, über die Schläuche gelangt diese in ihr System, verteilt sich, wird eingebaut, unsichtbar für den Menschen und dennoch existent, die Ausbreitung der Farbe lässt einen Raum erahnen – die Vorstellung einer Sichtbarmachung. Ab dem Punkt der Farbauswahl hat man keinen Einfluss mehr auf das, was geschieht. Farbe kann man wahrnehmen, weil es das Licht gibt, das Licht, das auch den Pflanzen von Kristian Ritzmann zum Wachstum verhalf. Licht ist gegeben, es kann rational begriffen werden, jedoch wird es individuell wahrgenommen, hat es Auswirkungen auf das Individuum sowie auf das Kollektiv, auf den Raum, der folglich den Menschen beeinflusst und in gewisser Weise manipuliert, auf die Kultur, die Historie kreiert. Farbe wirkt auf uns physisch und psychisch, sie beeinflusst unsere Wahrnehmung, unsere Stimmung – demnach die Gedanken und folgenden Gedanken und die Resultate aus diesen Gedanken.

atmospherethree ... where something grows.

When I behold the lake through the closed windows of my office, it is the subject of my contemplatory eye. When I open the window, hearing and smell have the opportunity to perceptually accompany the view. If I close my eyes, my attention can be guided only by them. If I leave my room and take myself down to the lake, the landscape is open to the uninvolved recording by the sum of my senses. My sentient body becomes the subject of contemplative experience caused by lake, light, air, noise, pebbles, island, settlement, shipping, labeling, waste, bathers, riverside path and the horizon strip. The restrictable perception of things caused by the isolated senses (of the eye, the hand) expands to a synaesthetic perception of a Momentaneität of a space. The sense of the phenomenal beauty of things is transformed into the supreme consciousness of a world without sense.  
Martin Seel, Eine Ästhetik der Natur. Suhrkamp Taschenbuch Wissenschaft 1996

Kristian Ritzmann and Susanne Hausstein have developed a wheat field which is moved by a fan. Through a ladder one gets into the terrain which resembles a situation that we know from our own experience of nature. The "second ceiling" which serves as a place for the installation, is the conceptual base of the project – a space of possibility. It was built up by suspending the real ceiling, it creates a niche, a part which is not used for the exhibition space. Physically present, this niche may function like a thought which is not yet spoken out.   

... it will not be shown anything, the interventions are in line with this logic, they develop a connection that exists notionally, which one could possibly imagine. The basic work has been developed by Kristian Ritzmann and Susanne Hausstein: it is this which the other two artists have taken as a pre-condition for their work. It creates a mutual trust in the work process itself, the final result is not in the foreground, it could theoretically spread and could announce a potential development: the exhibition is infinite.

A question appears: do these imaginary spaces need the space which exists physically?

Claudia Olendrowicz works with the plan that was created by Kristian Ritzmann to sketch his installation. The sketch is done before execution, a draft is always in the process. Together with the executed installation in space, it creates a certain immediacy - the previous plan was called. Claudia Olendrowicz is interested in the aspect of the sketchiness, the incompleteness and possible re-interpretation, due to this, she had designed a special form of presentation of this sketch. Some printed pages are presented as a pack, upright; sideways; alternately. This arrangement is intended to indicate the possibility of different versions of the same information, it all depends upon which kind of  perspective you take on an approaching subject. Different interpretations of information spaces arise also in regard to the wheat field installation.

Cecilia Divizia added a certain color to the plants, through the tubes. It passes into the plants system, it will be dispersed, inserted, invisible for the human being but existent. After the colour choices one is no longer able to influence what might happen. One could imagine how the colour is spreading: a space can be guessed, ways may become visible. We are able to perceive colour because of the existence of light, the same light which gave the plants the ability to grow. Light is given, it can be rationally understood, but it is perceived individually, it has an impact on the individual and the collective, on the space, which consequently affects the people and in some way manipulates them: through this, it creates culture – history. Light affects us physically and mentally, it affects our perception, our mood – and therefore the subsequent thoughts and ideas and the results of these thoughts.